Wo sind die Frauen*? – Oscarverleihungen und Hollywood

“Welcome to this year’s Oscar awards!” (Herzlich willkommen zur diesjährigen Oscarverleihung!) – Dieser Satz wurde schon 56 Mal von Männern* ausgesprochen, aber nur 16 Mal von Frauen*. Neben der Moderation sind Frauen* auch in anderen Bereichen der Oscarverleihung nicht in dem Maße wahrnehmbar wie Männer*. In der Kategorie „Beste Regie“ konnten bisher beispielsweise 67 Männer*, aber nur eine einzige Frau* den Oscar mit nach Hause nehmen. Diese beiden Beispiele zeigen eindeutig das Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern bei der Oscarverleihung. Die Frage, die naheliegt und sich unweigerlich stellt, ist: „Wo sind die Frauen* in Hollywood?“

Auch bei der letzten Oscarverleihung im Jahr 2020 gab es keine einzige Frau*, die im Bereich „Beste Regie“ nominiert wurde, obwohl es mit  Greta Gerwig („Little Women“ – https://fatal.j-gcl.org/2020/07/17/es-geht-auch-anders-der-film-little-women/), Lulu Wang (“The Farewell”) oder Lorene Scafaria (“Hustlers”) eine große Auswahl an möglichen Kandidatinnen* gab.
Vor allem Greta Gerwig gilt als Verliererin*, weil ihr* Film zwar für sechs Preise nominiert wurde, aber nicht für die „Beste Regie“. Comedian Trevor Noah sagte dazu: „Das sind alles nicht nur männliche Regisseure*- das sind alles sehr männliche Filme. Und wo ist „Little Women“? ….. Wie zum Teufel passiert das? Haben da zwei Leute gesagt: „Toller Film. Der hat sich wohl selbst gedreht.“?

Um zu verstehen, wie es dazu gekommen ist und warum es nicht so viele berühmte Frauen* in der Filmindustrie gibt, lohnt sich ein Blick in die Geschichte von Frauen* in Hollywood im Lauf der letzten 100 Jahre. Bis 1920 waren Frauen* in vielen Bereichen in Hollywood vertreten. Sie machten rund 40 % der Schauspielbesetzung aus und produzierten 12 % der Filme. 1920 kam es dann zu einem starken Rückgang der Anzahl von Frauen* in Schauspiel, Regie, Produktion und bei den Drehbuchautor*innen. Der Grund dafür ist vor allem das Aufkommen der sich mehr und mehr etablierenden mächtigen Studios wie Paramount Pictures, 20th Century Fox, MGM und Warner Bros. mit ihren männlichen* Bossen. Und so ging der Anteil der Regisseurinnen* und Produzentinnen* bis 1930 auf null zurück. Diese drastische Aufhebung der Frauen*beteiligung führte zu einem starken Umbruch in Hollywood. Hätten mehr Frauen* höhere Positionen, wie die einer Produzentin*, könnten sie das gesamte Filmgeschäft maßgeblich mitgestalten – u. a. durch die Auswahl und Unterstützung weiterer Frauen*. Unter anderem aus diesem Grund gibt es heute weniger Frauen* in Hollywood, vor allem in Führungspositionen. Seit dem Zusammenbruch des Studiosystems um 1950 ist der Frauen*anteil in Hollywood langsam gestiegen. Er ist aber immer noch sehr gering.

So ist Hollywood immer noch weitgehend Männer*sache. Auf der Leinwand geben immer noch männliche* Protagonisten* den Ton an. Unter dem Hashtag #OscarsSoMale (Oscars sind so männlich) steht der Oscar – nicht nur im Blick auf Geschlechterverhältnisse – sehr unter Druck. Aus diesem Grund wird jetzt immer mehr versucht, Vielfalt in die Filmbranche zu bringen. Die Oscar Academy lädt nun jedes Jahr immer mehr Frauen* und Vertreter*innen von Minderheiten als Mitglieder ein. Auch die Filme, die in der Kategorie „Bester Film“ nominiert werden, sollen mehr Diversität haben. Aus diesem Grund hat die Oscar Academy eine Veränderung der Nominierungskriterien eingeführt, welche 2024 in Kraft treten soll. In den neuen Kriterien geht es darum, dass alle Filme, die für „Bester Film“ nominiert werden, zwei der vier folgenden Kriterien erfüllen müssen:
1. Kriterium: Hauptrollen müssen mit Menschen aus einer ethnischen Minderheit besetzt werden.
2. Kriterium: 30 % der Nebenrollen müssen mit Frauen*, Menschen aus der LGBTQ+ Community, Menschen mit Behinderung oder Angehörigen einer ethnischen Minderheit besetzt werden.
3. Kriterium: Das Thema des Films soll von Menschen einer unterrepräsentierten Gruppe handeln.
4. Kriterium: Jobs am Filmset oder in der Marketingbranche sollen mit einer Quote belegt und bezahlte Praktika teilweise an Minderheiten vergeben werden.

Ob sich durch die Kriterien in der Zukunft für Frauen* viel verändern wird, werden wir sehen. Ich denke nicht. Denn eigentlich ist es relativ leicht, die Kriterien zu erfüllen, da sie viel Spielraum lassen und man sich ja zwei Kriterien aussuchen kann. Aber ich denke trotzdem, dass die Regeln am Ende gut sein könnten, denn sie fördern das nötige Bewusstsein in der Filmindustrie, um Diversität und Inklusion zu steigern. Und vielleicht wird ja bald eine zweite Frau* für „Beste Regie“ einen Oscar gewinnen. 😉

Rebekka

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