Internationaler Mädchentag am 11.10. – braucht es den oder kann der weg?

Oftmals, wenn es um das Thema Feminismus geht, meinen viele neckische Zungen, Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern wäre schon längst erreicht. Also wieso einen Internationalen Mädchentag so hervorheben? Müsste nicht schon allein der Gleichberechtigung wegen dann auch ein internationaler Jungentag gefeiert werden?

Völlig klar, wenn man sich die Lebenswelt einer in Deutschland wohnhaften Frau* ansieht, könnte man meinen: „So eine schlechte Zukunft haben die deutschen Mädchen* doch gar nicht vor sich!“: Wählen gehen ist in Deutschland ab achtzehn ein selbstverständliches Recht; zur Arbeit zu gehen ist ohne die Erlaubnis eines männlichen* Vormundes möglich und sogar uneheliche Schwangerschaften führen für Frauen* nicht mehr zu Missachtung und sozialem Ausschluss!

Die Statistiken bestätigen jedoch leider: Auch im Jahre 2021 können wir nicht aufhören, diesen 11. Oktober als Internationalen Mädchentag hervorzuheben und lauthals für die Gleichberechtigung und -behandlung von Mädchen* und Frauen* zu kämpfen. Immerhin sollen Mädchen*  dieser Welt (sowie alle Kinder und Jugendliche, die nicht cis-männlich sind) einmal – in jeglicher Hinsicht – dieselben Chancen wie ihre cis-männlichen Altersgenossen* haben und nicht mit einer ständigen Angst vor Gewalt, Diskriminierung und Missbrauch leben müssen.

„Patriarchat heißt tagtäglicher Sexismus, aber es ist mehr als tagtäglicher Sexismus. Zum Patriarchat gehört Frauenfeindlichkeit, aber es umfasst mehr als Frauenfeindlichkeit. Das Patriarchat erzeugt Ungleichheit zwischen den Geschlechtern, aber seine Auswirkungen greifen tiefer als die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern!

Cynthia Enloe, The Big Push

Weltweite Statistiken berichten von erschreckenden Zuständen in Bezug auf Mädchen* und Frauen*. Hier ein kleiner Einblick aus dem Buch: „Der Frauenatlas – Ungleichheit verstehen. 164 Infografiken und Karten“ von Joni Seager (von 2020):

  • Zwischen 2000 und 2015 waren in den USA 210.000 Minderjährige verheiratet. Fünf Prozent waren 15 oder jünger. 87 Prozent waren Mädchen* und 86 Prozent heirateten Erwachsene.
  • Der prozentuale Anteil der heute 20-24 Jahre alten Frauen*, die vor ihrem 18. Lebensjahr verheiratet wurden, ist in Niger (76 %), der Zentralafrikanische Republik u. Tschad (68 %) sowie in Mali (55 %) weltweit am höchsten.
  • 2015 gab es weltweit 2,1 Millionen neue HIV-Infektionen. Der Anteil junger Frauen* an den Neuinfizierten war dabei mit 58 % überproportional hoch. Unzureichender Zugang zu Bildung, medizinischer Hilfe, Verhütungsmittel und Beratung über Sexualität und Familienplanung sowie weit verbreitete Gewalt gegen Frauen* und sexuelle Nötigung junger Mädchen* sind die Hauptursachen ihres erhöhten Risikos.
  • Es gibt mindestens 21 Millionen Erwachsene und Kinder weltweit, die über internationale Grenzen hinweg als Sexsklav*innen, Zwangsarbeiter*innen o. Ä.der Schuldknechte gehandelt werden. Wenig überraschend ist, dass 96 % der Menschen, die als Sexsklav*innen verkauft werden, Frauen* und Mädchen* sind.
  • In Ländern wie dem Irak, Palästina, Lybien, Syrien, Angola und Äquatorial-Guinea gibt es tatsächlich „Heirate-deinen-Vergewaltiger“-Gesetze, die zur Folge haben, dass von einer Bestrafung des Täters abgesehen wird, wenn dieser sein Vergewaltigungsopfer heiratet – ob das Mädchen* bzw. die Frau* der Heirat zustimmt spielt dabei keine Rolle.
  • Inmitten von Krieg und Vertreibung erleben Frauen* und Mädchen* besonders viel häusliche und sexuelle Gewalt – und der Frauen*handel floriert. Hier nur ein paar Beispiele:
    • Südsudan: Vergewaltigungen, Gruppenvergewaltigungen, Zwangsprostitution und Folter in epidemischen Ausmaßen
    • Irak: Fast kein institutioneller Schutz von Frauen* und Mädchen* vor Vergewaltigungen und anderer Gewalt
    • Myanmar: Systematische Vergewaltigungen und Folterungen von Rohingya-Frauen* durch Sicherheitskräfte – vor allem in Geflüchteten-Lagern

Wie nun sicherlich durch die Aufzählung dieser wenigen Beispiele deutlich geworden ist, besteht eine weltweite Geschlechtergerechtigkeit noch lange nicht. Um den Blick nun wieder auf die Lebenswelten von Frauen* bei uns in Deutschland” zurückzulenken, möchte ich genauer auf die Situation in Deutschland eingehen.

Im Jahr 2018 wurden 140.755 Menschen, die in einer Beziehung lebten, Opfer von Mord, Körperverletzung, Vergewaltigung, sexueller Belästigung, Bedrohung oder Stalking. Davon waren 81 % Frauen*.

Hier nur ein paar Fakten, die die Lebenswelten von Frauen* bei uns in Deutschland genauer erfassen:

  • 20 %, haben mindestens einmal in ihrem Leben körperliche Gewalt durch einen Beziehungspartner erfahren (Daten seit 2010).
  • Mindestens 12 Prozent der Frauen* in Deutschland wurden mindestens einmal in ihrem Leben Opfer sexueller Gewalt.
  • Unter den 10 bestbezahltesten CEOs (Vorstandsvorsitzenden) in Deutschland war 2018 keine einzige Frau*.
  • Der Frauen*anteil an den Vorstandsspitzen der größten börsennotierten Unternehmen lag 2016 bei nur 27 %. (zum Vergleich: Island 44 %, Norwegen 41 %, Frankreich 37 %).

Wenn man sich den „Frauen Atlas“ durchliest, findet man über 197 Seiten voller Fakten über Geschlechterungleichheit und somit auch genügend Gründe, den 11. Oktober bewusst zu begehen und zu nutzen sowie weiterhin für die Gleichberechtigung und -behandlung von Frauen* und Mädchen* zu kämpfen.

Kampagnen wie #METOO zeigen, dass wir nur gemeinsam stark sind und es uns alle braucht, um eine bessere Zukunft für Mädchen* und junge Frauen* zu gestalten. Also: Seid stolz drauf, Feministin* zu sein, aber seid es auch aktiv und nicht nur im Verborgenen! Traut euch, eure Stimme zu erheben, damit ihr gehört werdet!

Ihre* Stimme erhebt in diesem Beitrag für Euch

Sofie.

P. S.: Sendet den Beitrag gerne weiter, an alle, die ihn unbedingt lesen sollten. Feminist*innen – oder eben gerade an die, welche den Feminismus und seinen Nutzen noch nicht so ganz verstehen!

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