Gibt’s den Anzug auch in Pink?

-Über Schönheitsideale, Frida Kahlo und meinen Abschlussball-

Lieber lang oder kurz? Klassisches Schwarz oder knallige Farbe? Und was ist mit Glitzer oder Spitze?

Auch wenn viele Feiern in diesem Jahr ausfallen müssen, steht die Frage nach dem Outfit für den Abschlussball oft schon weit vor den Prüfungsphasen im Raum. Ziemlich gut erinnere ich mich noch an meine Pläne aus der Mittelstufe für meinen letzten Abend als Schülerin, der jetzt bald schon wieder ein Jahr her ist! Dass mein Kleid dann doch ganz anders aussah als vorher gedacht und ich jede Idee, die ich anfangs hatte, über Bord geworfen habe ist dann aber eine ganz andere Geschichte…
Was allerdings von Anfang an klar war: Es soll ein Kleid werden. Und damit war ich auch nicht allein. Keine meiner Mitschülerinnen* oder Lehrerinnen* ließ es sich an diesem Abend nehmen sich wie ein Supermodel, eine Pop-Diva* oder Prinzessin* zu kleiden.

Im Nachhinein frage ich mich, ob es nicht auch mal anders gegangen wäre?

Das dachte sich wohl auch Frida Kahlo, als sie* 1924 zur Aufnahme eines Familienfotos im schicken Anzug erschien. Während jede* andere Frau* ein Kleid oder einen Rock trug posierte die* damals noch junge Frida dagegen mit Krawatte und Einstecktuch.
In der Schule bin ich immer wieder über den Namen der mexikanischen Künstlerin* gestolpert, sei es im Kunst- oder im Spanischunterricht, Frida Kahlo schlägt auch fast 70 Jahre nach ihrem* Tod Wellen und bleibt für ihre* Werke, ihr* politisches Engagement und ihre* im Blick auf ihr soziales, gesellschaftliches und historisches Umfeld außergewöhnliche feministische Einstellung in Erinnerung. Am bekanntesten aber sind wohl ihre* Selbstporträts, in denen sie* immer wieder zeigt, dass Ideale und Konventionen nicht immer Schönheit bedeuten! Die Monobraue, der leichte Oberlippenflaum und ihr* südamerikanischer Teint sind sogar zu ihren* Markenzeichen geworden, obwohl im Mexiko des frühen 20. Jahrhunderts genau das als „nicht schön“ galt. Beliebter waren eine vornehme Blässe und möglichst wenig Gesichtsbehaarung. Dennoch entschied sich Frida immer wieder bewusst gegen diese Ideen.

Für Frida hieß etwas anders zu machen und mit vorherrschenden Schönheitsbildern zu brechen aber nicht, auf ein Styling zu verzichten, die auch zu ihrer* Zeit als Zeichen von Weiblichkeit* angesehen wurden. Genau wie die ungezupften Augenbrauen gehörten auch die roten Lippen und geflochtenen Haare mit den Blumen darin, welche ja eher als weiblich und feminin gelten, zu dem typischen Bild von Frida Kahlo. Eher ging es ihr* darum, durch das Äußere Inneres zum Vorschein zu bringen. So stellte die* Künstlerin* in ihren* Werken die eigene Realität dar – zeigte durch die zahlreichen Selbstporträts, wie sie* sich selbst sah. Die Einordnung ihrer* Kunst in den Surrealismus, der oft wie eine Verbindung aus Traum und Wirklichkeit wirkt und durch den die* Künstler*innen ihre eigene Realität wiederspiegeln, lehnte Frida zwar stets ab, dennoch gilt sie* bis heute als wichtige Vertreterin* dieser künstlerischen und geistigen Bewegung.

Bis 5. Juli  ist Frida Kahlos Arbeit in der Ausstellung „Fantastische Frauen“ in Frankfurt zu sehen. Wer zu weit weg wohnt kann sich auch über eine Online Ausstellung, einen Podcast oder eine Video Führung von der Künstlerin* und weiteren Surrealistinnen* inspirieren lassen, die eine männer*dominierte Szene auf den Kopf stellten:
schirn.de/fantastischefrauen/digitorial/

Für mich persönlich war Frida in ihrem* Schaffen und Sein schon öfter eine Inspiration. Frida Kahlos Art, zwar feminine Attribute anzunehmen, aber auf moderne, individuelle Weise und ohne durch Geschlechterstereotype gesetzte Grenzen zu interpretieren und so ihre* ganz persönliche Weiblichkeit zu leben, brachte mich auch beim Verfassen dieses Blogbeitrags schon wieder zum Nachdenken. So auch in meinen – mal wieder viel zu verfrühten – Überlegungen für die nächste große Feier.

Ob ich in zwei Jahren zu meiner Diplom-Abschlussfeier letztendlich auch im Anzug, aber dafür in Pink und/oder mit knalligem Lippenstift erscheine steht natürlich noch in den Sternen. Wichtig ist mir nur, dass das Mich-Wohlfühlen und der Ausdruck meines ganz persönlichen Schönheitsi(ch)deal an so einem besonderen Abend im Vordergrund stehen, unabhängig von High Heels, Make-Up und Co.

Habt ihr denn schon Pläne für euer Outfit zum Abschlussball bzw. was habt ihr damals getragen? Und was sind eure ganz persönlichen femininen* Schönheitsideale? Lasst es uns gerne mal in den Kommentaren wissen!

Alles Liebe

Eure Bibi

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