Mädels* – bereit fürs Bewerben?

Wir schreiben April 2020, die ersten Sonnenstrahlen locken uns vor die Tür und lassen uns in freudiger Erwartung auf den Sommer die Shorts oder Röcke herausholen. Für uns alle ist dieser Frühling und der Blick auf den Sommer mit einem großen Fragezeichen versehen. Die andauernde Corona-Pandemie hat viele Pläne bereits auf Eis gelegt. 

Nichtsdestotrotz steht für viele Mädchen* und Frauen* ein neuer Abschnitt im Leben an. Viele stehen am Ende der Schulzeit, fangen eine Ausbildung bzw. ein Studium an oder wollen sich auf ein Praktikum bzw. einen Ferienjob bewerben. 

Eine Sache gehört dabei oft dazu: Du musst dich auf den Job, die Ausbildung etc. bewerben. Genau darum soll es jetzt gehen. Ich habe dir ein paar Tipps zusammengestellt, wie du positiv in die aufregende Zeit eines Bewerbungsprozesses starten kannst. (Was nachfolgend in den ersten beiden Punkten bezogen auf einen Job bzw. eine Praktikums-/Ausbildungsstelle beschrieben ist, giltnatürlich ebenso für eine Bewerbung auf einen Studienplatz, für ein Stipendium o. Ä.)

1. Mache dir klar, was du kannst! 

Wenn du anfängst, deine Bewerbung zu schreiben, mache dir klar, was du kannst! Ganz wichtig: Ein Lebenslauf und ein Anschreiben sollen Aufschluss darüber geben, in welchen Dingen du gut bist. Du denkst dir jetzt: “Ähm… also zum Kühlschrank laufen kann ich super”?  Geh mal in dich, überlege dir, wie du dich bei einer Gruppenarbeit in der Schule verhältst, wie leicht es dir fällt, etwas (z. B. eine Party) zu organisieren oder ob du die erste Person bist, zu der ein*e Freund*in kommt, wenn es ihr*ihm schlecht geht. Die Antworten auf diese und ähnliche Fragen geben dir Infos darüber, welche Stärken du hast, z. B. die Fähigkeit zum Teamwork, Organisationstalent oder Empathievermögen. Außerdem kannst du Freund*innen oder deine Eltern, die dich ja ziemlich gut kennen, fragen, was sie über dich denken. 

Tipp: Das Folgende ist eine Idee, die du auch gut in eine Gruppenstunde einbauen kannst. Damals, das müsste eine Gruppenstunde in der 7. Klasse gewesen sein, schrieb jede* von uns je drei positive Eigenschaften und eine negative auf einen Zettel, die sie* sich selbst zuschreiben würde – allerdings ohne den eigenen Namen. Die Zettel wurden eingesammelt, gemischt und jede* bekam einen anderen Zettel. Dann mussten wir reihum raten, zu wem die beschriebenen Eigenschaften am besten passen. Das gab mir selbst Klarheit über meine eigenen Stärken und gleichzeitig freute ich mich über die Komplimente. 

Achtet immer darauf, die Eigenschaften für andere konstruktiv zu formulieren und nicht beleidigend zu werden. Die andere Person sollte durch die Rückmeldungen nicht verletzt werden und immer etwas damit anfangen können.

2. Trau dich! 

Du merkst, dass du 99 % aller Stellenanzeigen grob scannst und dann weiterklickst, weil du die Anforderungen nicht erfüllst? Eine Stelle wird meistens sehr perfekt beschrieben, das heißt, du musst die Angaben nicht zu 100 % erfüllen. Viele wissen das nicht und ich selbst habe mich vor eineinhalb Jahren auch bei dem Gedanken erwischt: “Oh, das kann ich alles gar nicht.” Dieser Gedanke ist unnötig, denn 1. können z. B. Excel-Skills einfach erlernt werden und 2. sind deine Persönlichkeit und deine Stärken wesentlich entscheidender dafür, ob du für eine Stelle geeignet bist oder nicht. Entsprichst du einem Anforderungsprofil bereits zu 100 %, bist du wie für diese Stelle gemacht oder vielleicht schon überqualifiziert dafür.

Ziel sollte bei einem Job sein, dass du immer die Möglichkeit hast, an den Aufgaben zu wachsen und bei der ein oder anderen Gelegenheit aus deiner Komfortzone herauszugehen, denn dann kannst du dich weiterentwickeln und bist umso stolzer auf dich!


3. Jetzt geht’s ans Eingemachte  das Gehalt!

Gehalt verhandeln: Das klingt nach einer wahren Herausforderung. Die Studie „Student Research Switzerland 2016“ fand heraus, dass Studentinnen* für den Berufseinstieg eine geringere Gehaltsvorstellung haben als ihre männlichen* Kommilitonen*. Das liegt auch daran, dass Frauen* häufiger in schlechter bezahlten Berufen arbeiten, z. B. im sozialen Bereich, und Männer* eher in hochbezahlten Branchen wie dem Ingenieur*inwesen. Dazu kommt, dass viele Frauen* den Wert ihrer Arbeit unterschätzen, während Männer in in diesem Punkt oft selbstbewusster sind und das auch in Gehaltsgesprächen zeigen. Die Gender Pay Gap (Erklärung unten) ist aber beachtlich. Ich will damit aber nicht sagen, dass Frauen* daran schuld sind, dass sie schlechter verdienen. Die Ungleichheit und die Verteilung der ,systemrelevanten’ Berufe wird ja besonders in der aktuellen Corona-Krise sichtbar.

Das bedeutet aber auch, dass wir Mädels* und Frauen* gerade bei der Gehaltsverhandlung, sei es beim Minijob in der Eisdiele oder beim ersten Job nach der Ausbildung oder dem Studium, ein bisschen mehr Mut zeigen können. Informiere dich zunächst im Internet, was in der Branche, in der du dich bewirbst, an Bezahlung üblich ist oder frage Freund*innen, Eltern oder Freund*innen deiner Eltern. 

So erhältst du eine Vorstellung davon, was du verlangen kannst und fügst dann ein bisschen ‚Verhandlungsmasse‘ hinzu. In der Eisdiele bedeutet das vielleicht, dass du auf den Stundenlohn anfangs noch ein oder zwei Euro draufschlägst und beim Feilschen (ja, wie beim Flohmarkt) kommen am Ende 50 Cent oder ein Euro mehr raus. Selbst das macht am Monatsende aber etwas aus. Beim Job kann das 3000-5000 Euro mehr Jahresgehalt bedeuten oder du verhandelst bei den Urlaubstagen. Dein Job ist an einen Tarif gebunden? Kein Problem, die Erfahrungsstufe, also wie lange du schon in diesem Beruf arbeitest, ist auch zu einem gewissen Grad verhandelbar. 

Was ich am Ende des Studiums gemerkt habe, als die Jobsuche bei vielen ernst wurde, war, dass wir freier mit dem Thema Gehalt umgingen als jetzt im Berufsleben. Über Gehalt zu reden ist immer noch ein Tabu, aber gemeinsam mit der*dem Lieblingskollegen*in kann das Tabu gebrochen werden und ihr könnt euch austauschen.

Ich hoffe, ich konnte dir den ein oder anderen Tipp geben. Ich wünsche dir viel Erfolg und Mut bei der Suche nach dem Passenden – mit dem passenden Gehalt. Je mehr du dir deiner Stärken bewusst bist, desto besser kannst du dich dann auch im Gespräch präsentieren – ein bisschen Aufregung ist dabei völlig normal! 

Liebe Grüße

Caro

Was ist die Gender Pay Gap? Sie beschreibt einen Gehaltsunterschied zwischen Frauen* und Männern*, selbst wenn sie in den gleichen Berufen und Positionen arbeiten. Im Jahr 2020 liegt der geschlechtsspezifische Lohnunterschied in Deutschland bei 21 %, das heißt Frauen* verdienen für die gleiche Arbeit durchschnittlich 17 Euro pro Stunde weniger als Männer* (Quelle: Studie der Hans-Böckler-Stiftung).

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