Selbstbestimmte Sexualität – Warum sie kein Tabuthema ist

  • Wann konntest du das letzte Mal offen über deine Sexualität sprechen? Mit wem hast du geredet? 
  • Würdest du dich gerne austauschen, es fehlt dir aber eine dafür geeignete Person? 
  • Welche Fragen zu Sexualität und deinem Körper hast du und traust dich nicht, diese zu stellen oder weißt nicht, wem du sie stellen könntest?
  • Wann hast du dich eigentlich das letzte Mal selbst befriedigt? 
  • Warum ist Selbstbefriedigung bei Mädchen* und Frauen* noch immer ein Tabuthema?
  • Kennst du den Unterschied zwischen Vulva und Vagina?
  • Wie und von wem wurdest du aufgeklärt?
  • Wie viele Synonyme für Masturbieren kennst du? Und wie viele fallen dir dafür für Männer* ein?
  • Kannst du eine Vulva malen? 
  • Wie wirst du und wie wird deine Sexualität in der Gesellschaft wahrgenommen und bist du damit zufrieden? Wie möchtest du wahrgenommen werden?

Viele dieser Fragen hat uns Agi Malach in dem Workshop „Selbstbestimmte Sexualität“ auf der BDKJ-Frauenfachtagung gestellt. Agi Malach ist Erzieherin* und Sozialarbeiterin*. Sie* arbeitet als freiberufliche Sexualpädagogin* und bezeichnet sich selbst als sexpositive Feministin. 2015 gründete sie das Label VULViNCHEN (https://www.vulvinchen.de/), mit welchem sie* Schmuck und Sticker in Vulva-Form vertreibt. Sie* möchte Frauen*, Mädchen* und sich als feminin* bezeichnende Personen zum Nachdenken über Sexualität, Sprache und Vulva anregen.

In einem Workshop mit fremden Menschen über auch nur eine der oben genannten Fragen zu sprechen, mag im ersten Moment reichlich komisch klingen, Einer* vielleicht sogar ein bisschen Angst machen, denn die Meisten sprechen über solche Themen nur selten, und wenn, dann nur mit Personen, die sie gut kennen. Trotzdem haben sich in dieser ungewohnten Runde gute Gespräche entwickelt.

Mit einigen einfachen Regeln: Der Anderen zuhören, ihre* Erfahrungen wertschätzen und nicht verurteilen. Und vor allem: Jede*, die* reden will, darf, aber Keine* muss.

Nach anfänglichen Unsicherheiten ergab sich schnell ein reges Gespräch. Jede der Fragen wurde angeschnitten, mal mehr, mal weniger intensiv diskutiert. Die Mädchen* und Frauen* in der Runde haben die unterschiedlichsten Hintergründe und tragen so zu einem kunterbunten Bild der femininen* Sexualität bei. Ein Bild, das man ohne dieses Gespräch so vielleicht nie gesehen hätte.

Ob als Person, die viel zu erzählen hat oder als Eine*, die* lieber nur zuhört, jede* Teilnehmerin* konnte etwas Neues aus dem Workshop mitnehmen. Oder vielleicht auch etwas dalassen, das sie* schon lange belastete.

Was der Workshop vor allem gezeigt hat, ist, dass es unglaublich viel Gesprächsbedarf unter Frauen* gibt, was das Thema Sexualität, und wie wir darüber sprechen, angeht. So viel Gesprächsbedarf, dass Agi Malach tatsächlich nicht einmal dazu kam, geplante methodische Übungen mit den Teilnehmerinnen* durchzuführen. Die Zeit war einfach zu knapp.

Trotzdem war der Workshop mehr als ein Erfolg. Wo am Anfang noch Vorsicht war, die Themen anzusprechen, wurde in dem geschützten Umfeld am Ende frei und offen geredet. Es sollte kein Tabu mehr sein, dass Frauen* und Mädchen* offen über ihre* Sexualität, ihre* sexuellen Erfahrungen, und andere damit verbundene Themen sprechen.

Ein geschützter Raum, in dem man sich wohlfühlt, das alles anzusprechen, ist empowernd. Es macht uns selbstbewusster und uns unser selbst bewusst. Es hilft uns dabei, herauszufinden, wie wir unsere Sexualität und unser Leben ein Stück weiter selbst in die Hand nehmen, zunehmend selbst bestimmen und mit anderen starken Frauen* teilen können. Es ist wichtig für uns, auch über solche Themen – oder gerade über solche Themen – immer wieder zu sprechen.  

Eure Anna Winkelbrandt (als Gastautorin)

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